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Was ist eine Begine?
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Um 1100 taucht der Name „Begine“ zum ersten Mal urkundlich auf. Es gibt keine Gründerin und die genaue Bedeutung des Namens wird unterschiedlich definiert und ist nicht genau bekannt.

In Deutschland sind ab 1220 Beginen-Konvente und Beginenhöfe nachweisbar. Im Jahr 1233 wurde die Frauenbewegung vom Papst grundsätzlich anerkannt. In Bocholt findet sich die erste Eintragung der Beginen am 24.03.1309.

Die Beginen-Bewegung war die erste Frauenbewegung, eine kämpferische Reformbewegung und Begründerin einer spezifisch weiblichen Spiritualität.

Es waren Frauen, die sich weigerten, in den bürgerlichen Ehestand zu treten, die auch nicht in ein Kloster eintreten wollten oder konnten. Gleichzeitig hatten diese Frauen ein tiefes religiöses Anliegen und lebten oftmals nach den Leitbildern der Armut, Einfachheit und Buße, d.h. nach urchristlichen Idealen.
Die religiöse Gemeinschaft der Beginen stellte für viele Frauen in der mittelalterlichen Gesellschaft eine reizvolle Alternative zu den herkömmlichen Lebensläufen dar.
So lebte Elisabeth von Thüringen nach dem Tod ihres Mannes in Marburg als Begine. Viele berühmte Beginen und Mystikerinnen sind in die Geschichte eingegangen, z.B.: Mechtild von Magdeburg, Gertrud von Helfta, Margarete von Porete.
Eine Mystikerin, feministische Theologin und Pazifistin der Gegenwart ist Dorothee Sölle. Pierre Stutz schreibt im Nachruf zu Dorothee Sölle: "Darum ist D. Sölle für mich eine begabte Mystikerin, die uns aufweckt zum Träumen.", für die Beginen ist sie Vorbild für die alternative Lebensform.

Lange Zeit vergessen, findet die besondere Form des gemeinsamen Wohnens und Lebens seit einigen Jahren wieder mehr Anhängerinnen!

Während in Flandern noch etwa 30 Beginenhöfe an die alte Bewegung erinnern, (im Jahre 1998 hat die UNESCO 13 Beginenhöfe zum Weltkulturerbe erklärt), gibt es in Deutschland nachweislich keine Spuren mehr von großen Beginenhöfen. Nur in Stadtarchiven gibt es  noch ein paar Nachweise. (In Bocholt berichtet Frau Dr. Bröcker darüber in einem Heft "Unser Bocholt" aus dem Jahr 1955 und Dr. Oppel interessiert sich nachweislich für unsere Entwicklung hier in Bocholt).
In Köln gab es zur Hoch-Zeit der Beginen mehr als 2000 Frauen, die sich Beginen nannten und als solche lebten.
Die Blütezeit der Beginen-Bewegung war zwischen 1250 und 1450, zeitweise lebten in den Städten bis zu 10% der weiblichen Bevölkerung als Beginen. Sie lebten als „semi-religiöse Frauen.“ Das heißt, sie waren keine Ordensleute mit Klausur und Gelübden und auch keine Frauen dieser „eitlen“ Welt. Sie schlossen sich freiwillig zusammen „in den Städten für die Städte“!

Es gab auch männliche „Beginen“, die sich Begarden nannten. Sie sind als Begarden noch nicht wieder begründet, es gibt aber Interessenten.

Trotz Säkularisation, Reformation und Aufklärung gab es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Beginen in Deutschland. Sie waren wirtschaftlich unabhängig, arbeiteten als Handwerkerinnen, als Unternehmerinnen, waren zuständig für Krankenversorgung, Sterbebegleitung und Bestattung, beteten für Lebende  und Verstorbene. Sie unterrichteten auch Mädchen in Handwerken wie spinnen, weben und sticken. (Aus diesem Grund haben alte Beginenhöfe immer grosse Bleichwiesen). Sie brachten Jungen und Mädchen das Lesen und Schreiben bei. 

Die Beginenbewegung war ein europäisches Phänomen.
Von Belgien, Holland den Rhein hinauf bis Südfrankreich, von Spanien, Italien bis zu den Balkanstaaten aber auch in Polen, Norwegen und Schweden sind sie nachweisbar.
Beginen waren Frauen, die nicht in Klöstern lebten, sondern freiwillig, selbständig und abhängig in Gemeinschaft mit anderen Frauen lebten.
Sie sind nicht an eine bestimmte Konfession gebunden. Im Vordergrund steht die Gemeinschaft der Frauen und ihre gegenseitige Wertschätzung und Verantwortung.
In der Perspektive von Dorothee Sölle schuf diese Bewegung "Inseln der Freiheit für Frauen in einer Umgebung von patriachal-hierarchisch gelenkter Ungerechtigkeit". So sind Beginen gewissermaßen die "Ururgroßmütter" selbstorganisierten gemeinschaftlichen Frauenwohnens mit gegenseitiger Unterstützung.

Beginen wollen Vereinbarkeit von geistlichem Leben, Bildung und sinnvollem Beruf (Lehr- und Heilberufe) je nach Begabung in Absprache und Selbstbestimmung.
Die letzte deutsche Begine starb in 1884 in Essen. Marcella Pattyn, die letzte Begine in Flandern, lebte in Kortrijk in einem Altersheim, wo sie am 14. April 2013 starb.

Obwohl Beginen und deren Geschichte bis ins späte 20. Jahrhundert nahezu unbekannt waren lebt die Idee wieder. Immer mehr Frauen finden sich zusammen, die an das Ideal des gemeinschaftlichen, selbstbestimmten Lebens der Beginen anknüpfen.
Heute bestehen schon in mehr als 32 Städten in Deutschland neue Gemeinschaften; z.B. in Essen, Dortmund, Unna, Schwerte, Münster und Köln und seit 2009 auch in Bocholt.
Sr. Brita Lieb war eine der Initiatorinnen, die vor 25 Jahren zusammen mit der Essener Arztwitwe Gertrud Hofmann den Verein der „Beginen heute“ gründete.
Von ihr stammt der Satz:“ Die beste Medizin für den Mensch ist der Mensch!“
2004 wurde der Dachverband der Beginen gegründet, der sich mit der Geschichte der Beginen befasst.